1. Warum sich Vorbereitung lohnt
Anerkannte Schuldnerberatungsstellen (Caritas, Diakonie, AWO, Verbraucherzentralen) sind
kostenfrei für Ratsuchende, aber sie sind chronisch überlastet. Die
Wartezeit auf einen Termin reicht je nach Region von vier Wochen bis acht Monaten
(Caritas Gießen, Stand Januar 2026). Wenn du dann endlich einen Termin hast, willst du
ihn nutzen, nicht erst eine Stunde Daten aufnehmen lassen.
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung (BAG-SB) empfiehlt
ausdrücklich, vor dem Erstgespräch Unterlagen zu sortieren und Selbstauskunft
vorzubereiten. So bleibt im Termin mehr Zeit für das Eigentliche: rechtliche Bewertung
des Falls, Bereinigungsplan, Strategie.
Erfahrungswerte aus der Praxis: Gut vorbereitete Klient:innen kommen
oft mit 1–2 Terminen aus, schlecht vorbereitete brauchen 4–6. Bei monatelangen Wartezeiten
ist das ein massiver Zeitgewinn, für dich und für die nachrückenden Ratsuchenden.
2. Wie ein Beratungs-Termin abläuft
Der typische Ablauf eines außergerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahrens nach
§ 305 InsO
gliedert sich in vier Phasen:
- Erstgespräch (~ 60–90 Min): Klärung der wirtschaftlichen Lage, Erfassung aller Gläubiger und Forderungen, erste Einschätzung Insolvenz-Notwendigkeit oder Vergleichsmöglichkeit.
- Schuldenregulierung (~ 3–6 Monate): Anschreiben aller Gläubiger mit Stundungsbitte und Vergleichsangebot. Verhandlung individueller Konditionen.
- Außergerichtlicher Bereinigungsplan: Wenn mehrere Gläubiger unter einen Hut zu bringen sind, quotaler Vorschlag mit Tilgungsplan, Annahme durch alle erforderlich.
- Insolvenzantrag (falls Plan scheitert): Bescheinigung nach § 305 Abs. 1 Nr. 1 InsO, dann Eröffnungsantrag beim Amtsgericht. 3-Jahres-Wohlverhaltensphase, Restschuldbefreiung.
Phase 1 (Erstgespräch) ist der Engpass. Hier brauchen Berater:innen vollständige Daten,
um eine Strategie entwickeln zu können. Ohne deine Vorbereitung verlieren sie hier
eine Stunde mit Daten-Aufnahme, die du selbst hättest erledigen können.
3. Welche Unterlagen Beratungsstellen brauchen
Nach Standard der AG Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV) und der BAG-SB werden
beim Erstgespräch folgende Daten erhoben:
3.1 Persönliche Daten und Sozialsituation
- Vollständiger Name, Geburtsdatum, Anschrift, Kontakt
- Familienstand (ledig, verheiratet, geschieden, getrennt lebend, verwitwet)
- Anzahl unterhaltspflichtiger Personen (im Haushalt + außerhalb), Kinder unter 18
- Beruf, Erwerbsstatus, Arbeitgeber, beschäftigt seit
3.2 Einkommensverhältnisse (monatlich)
- Brutto- und Nettoeinkommen, ggf. Sonderzahlungen
- Kindergeld, Wohngeld, Bürgergeld, Krankengeld, Rente
- Unterhalt erhalten / gezahlt
- Sonstige Einkünfte
3.3 Vermögensaufstellung
- Bargeld, Bankguthaben, IBAN, P-Konto vorhanden?
- Lebens-/Rentenversicherungen (Rückkaufswert)
- KFZ (Marke, Modell, Baujahr, Wert)
- Immobilien, sonstige Wertgegenstände
3.4 Wohnsituation
- Mietverhältnis, Eigentum, Untermiete oder bei Familie
- Miete warm / kalt, Nebenkosten
- Etwaige Mietrückstände
3.5 Gläubiger-Verzeichnis
- Vollständige Namen und Anschriften aller Gläubiger
- Forderungshöhe aufgeschlüsselt (Hauptforderung, Zinsen, Kosten)
- Aktenzeichen, Rechnungs-/Kunden-Nr., Doku-Typ
- Rechtsstand: tituliert (Mahnbescheid, Vollstreckungsbescheid, Urteil)? Pfändung? Verjährung droht?
- Bisherige Korrespondenz und Vereinbarungen
3.6 Original-Schreiben als Anlagen
- Alle Mahnungen, Inkasso-Schreiben, Verträge
- Gerichtliche Schreiben separat (Mahnbescheid, VB, Urteile)
- Pfändungsdokumente, ggf. P-Konto-Bescheinigung der Bank
Quelle: AG SBV, Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände,
Standards für die Schuldnerberatung. Siehe auch
Forum Schuldnerberatung.
4. Was FinoraQ daraus automatisch macht
Im Premium-Tarif kannst du einmal pro Monat ein Beratungs-Pack als
ZIP herunterladen. Es enthält genau das, was die Beratungsstelle erwartet, strukturiert
nach dem AG-SBV-Standard:
📦 00-INHALT.txt
Begleitschreiben für die Beratungsstelle mit Mandantenkopf, Kategorie-Verteilung der
Schulden und Distanzierungs-Hinweis (FinoraQ ist kein Schuldnerberater
i.S.v. § 305 InsO). Quellen sind transparent ausgewiesen.
📦 01-Personalbogen.pdf
Vollständig ausgefüllte Selbstauskunft: persönliche Daten, Familiensituation,
Erwerbsstatus, Einkommen mit allen Komponenten, Vermögensaufstellung, Wohnsituation …
alles, was du im Tab „Beratungs-Vorbereitung" im Profil eingetragen hast. Plus
eine automatische Pfändbarkeit-Berechnung nach § 850c ZPO 2026.
📦 02-Gläubigerverzeichnis.pdf
Strukturiert nach drei Kategorien (BAGSB-Standard):
- A, Bevorrechtigt / öffentlich-rechtlich: Unterhalt, Finanzamt, Stadtkasse, Hauptzollamt, Gerichtskasse, Sozialversicherung, Bußgelder, Rundfunkbeitrag, Jobcenter
- B, Tituliert / in Vollstreckung: Mahnbescheid, Vollstreckungsbescheid, Urteil, Pfändung, Haftbefehl, eskalierte Forderungen
- C, Nicht-tituliert / sonstige: gewöhnliche offene Mahnungen ohne Vollstreckungstitel
Pro Forderung: voller Gläubiger inkl. Adresse + E-Mail, Aktenzeichen, Doku-Typ,
Fälligkeit, Verjährung, Beträge aufgeschlüsselt, Korrespondenz-Hinweis.
📦 03-Schuldenübersicht.pdf
Tabellarische Detail-Liste mit farbcodierter Kategorie-Spalte für schnelle Übersicht.
📦 04-Sammelplan.pdf (optional)
Falls du im Tool einen außergerichtlichen Bereinigungsplan erstellt hast: Vorschlag mit
quotaler Aufteilung und Monatsraten pro Gläubiger.
📦 05-Korrespondenz.pdf + briefe/
Übersicht aller versendeten Briefe + Volltexte als TXT, sortiert nach Gläubiger. Die
Beratungsstelle sieht sofort, was bisher unternommen wurde.
5. Schritt für Schritt zur Termin-Vorbereitung
- Konto eröffnen (kostenlos via Magic-Link, keine Karte nötig).
- Profil ausfüllen: Vor- und Nachname, Adresse, Geburtsdatum, diese landen im Personalbogen.
- Mahnungen hochladen: Foto vom Briefumschlag oder PDF reicht. Die KI liest automatisch alle relevanten Felder aus. Falsches korrigierst du in 10 Sekunden.
- Tab „Beratungs-Vorbereitung" im Profil: Familienstand, Erwerb, Einkommen, Vermögen, Wohnsituation eintragen. Beträge auf den Cent genau (oder grobe Schätzung, mit „noch nicht eingetragen"-Hinweis).
- Termin vereinbaren: bei einer anerkannten Stelle in deiner PLZ. Tool „Beratungsstellen vor Ort" oder bundesweit über meine-schulden.de.
- Termin vorbereiten: Beratungs-Pack im Profil → Premium-Features → „Beratungs-Pack herunterladen". ZIP entpacken, ausdrucken oder USB-Stick mit zur Beratung nehmen.
- Im Termin: ZIP übergeben oder die einzelnen PDFs zeigen. Berater:in liest in 5 Minuten den Stand. Statt Daten-Aufnahme: sofort Strategie-Diskussion.
6. Du gibst weiter, was du willst
Nach Art. 20 DSGVO
(Recht auf Datenübertragbarkeit) hast du jederzeit Anspruch darauf, deine in FinoraQ
gespeicherten personenbezogenen Daten in einem maschinenlesbaren Format zu erhalten und
an einen anderen Dienst weiterzugeben.
Praktisch bedeutet das: Du kannst dein Beratungs-Pack-ZIP ausdrucken und in Papierform
übergeben. Oder per E-Mail. Oder auf USB-Stick. Oder über einen befristeten
Sharing-Link mit PIN-Schutz freigeben (Premium-Feature), die Beratungsstelle
sieht dann eine schreibgeschützte Online-Übersicht, die du jederzeit widerrufen kannst.
Wichtig: Die Beratungsstelle wird die Daten inhaltlich prüfen müssen
(was die heuristische Kategorisierung von FinoraQ nicht ersetzt). Du bleibst also auch
dort verantwortlich für die Richtigkeit deiner Angaben.
7. Wo finde ich eine anerkannte Stelle?
Im FinoraQ-Tool findest du ein Verzeichnis mit ~125 Stellen in allen 16 Bundesländern
(Werkzeuge → Beratungsstellen vor Ort, mit PLZ-Suche).
Bundesweit:
Tipp: Viele Stellen bieten offene Sprechstunden ohne Termin an. Wenn du
eine akute Frage hast (z. B. „Was tun bei diesem Mahnbescheid?"), lohnt sich ein Anruf
ob es eine offene Stunde gibt, dort wirst du oft binnen Tagen drangenommen.