Für die meisten Schuldensituationen ist FinoraQ das richtige Werkzeug: Übersicht, Briefe, Ratenpläne, Beratungs-Pack. In wenigen Fällen brauchst du jemanden, der für dich verhandelt oder vor Gericht auftritt. Diese Seite klärt, wann das so ist.
Nach Erhebung der Creditreform Wirtschaftsforschung waren im Jahr 2025
rund 5,67 Millionen Menschen in Deutschland überschuldet, das sind
8,16 Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Damit hat sich die seit 2018 rückläufige
Entwicklung umgekehrt: 111.000 neue Fälle im Vergleich zum Vorjahr (Creditreform, 2025).
Die höchste Quote weist die Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen aus.
Das ist der Markt, in dem FinoraQ existiert: Millionen Betroffene, kaum Beratungsstellen, monatelange Wartezeiten.
Aber eine Software löst rechtliche Probleme nicht, sie kann nur organisieren, was du selbst entscheidest.
Deshalb müssen wir dir ehrlich sagen, wo unsere Grenze liegt.
2. Warum FinoraQ keine Rechtsberatung sein darf
Das deutsche Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG) ist klar: Wer rechtliche
Angelegenheiten im konkreten Einzelfall prüft und Empfehlungen ausspricht, betreibt eine
Rechtsdienstleistung, und braucht dafür entweder eine Anwaltszulassung oder eine
spezielle Erlaubnis. Software fällt grundsätzlich nicht unter § 2 RDG, solange sie nur
allgemeine Textbausteine bereitstellt und keine individuelle Bewertung vornimmt.
Genau diese Linie hält FinoraQ ein: Wir generieren Vorlagen aus deinen Eingaben, du prüfst
sie und entscheidest, ob du sie versendest. Es findet keine Einzelfallprüfung
durch einen Menschen oder durch die KI statt, du bleibst Autor:in und Versender:in.
Der Bundesgerichtshof hat 2021 in der „Smartlaw"-Entscheidung
(Urteil vom 09.09.2021, Az. I ZR 113/20) bestätigt, dass dieser Selbsthilfe-Charakter
rechtlich zulässig ist, solange keine Anwaltsverbots-Grenze überschritten wird. In der
„wenigermiete.de"-Entscheidung (BGH VIII ZR 285/18, 27.11.2019) wurde umgekehrt klargestellt,
dass aktive Verhandlung und Einziehung fremder Forderungen sehr wohl
rechtsdienstleistend ist.
Konsequenz für dich: Du bekommst von uns Werkzeuge und Vorlagen.
Sobald dein Fall eine individuelle rechtliche Bewertung braucht (siehe unten),
brauchst du echte Rechtsdienstleistung, und die darf FinoraQ nicht leisten.
3. § 305 InsO, die Bescheinigung, die wir nicht ausstellen dürfen
Eine Verbraucherinsolvenz setzt nach
§ 305 Abs. 1 Nr. 1 InsO
den Versuch einer außergerichtlichen Einigung mit allen Gläubiger:innen voraus.
Schlägt dieser Versuch fehl, braucht das Insolvenzgericht eine schriftliche
Bescheinigung einer geeigneten Person oder Stelle, dass eine außergerichtliche
Einigung „aussichtslos" erscheint.
Geeignet sind nach Landesrecht nur: Rechtsanwält:innen, Steuerberater:innen,
Notar:innen, und anerkannte Schuldnerberatungsstellen (Caritas, Diakonie,
Verbraucherzentralen, AWO, kommunale Stellen, abhängig vom Bundesland).
FinoraQ ist ausdrücklich keine anerkannte Stelle und kann diese Bescheinigung
nicht ausstellen. Wir können dir aber helfen, alles vor dem Termin bei einer anerkannten
Stelle zu sortieren, Personalbogen, Gläubigerverzeichnis, Korrespondenz, damit dort effizient
gearbeitet werden kann. Mehr dazu unter Beratung vorbereiten.
4. Diese fünf Situationen bedeuten: Wechsle sofort.
4.1 Du hast einen Mahnbescheid oder Vollstreckungsbescheid bekommen
Mahnbescheid (§ 692 ZPO) und Vollstreckungsbescheid (§ 699 ZPO) sind Titel.
Du hast 14 Tage Zeit für einen Widerspruch oder Einspruch.
Versäumst du diese Frist, kann der Gläubiger 30 Jahre lang vollstrecken
(§ 197 BGB).
Diese Frist gehört nicht in eine Software, sondern an einen Anwalt oder eine zertifizierte Beratungsstelle.
4.2 Lohn-, Konto- oder Sachpfändung läuft
Bei einer Lohnpfändung wirkt der Pfändungs- und Überweisungsbeschluss (PfÜB) ab Zustellung
beim Arbeitgeber. Bei Kontopfändung sperrt die Bank das gesamte Guthaben, bis du das Konto
in ein Pfändungsschutz-Konto (P-Konto) nach
§ 850k ZPO
umwandeln lässt. Das geht kostenlos und sofort, aber muss aktiv beantragt werden.
4.3 Du planst Verbraucherinsolvenz
Wie unter Punkt 3 erklärt, die § 305-Bescheinigung gibt es ausschließlich bei
anerkannten Stellen oder Anwält:innen. Ohne sie kein Insolvenzantrag.
4.4 Du wirst verklagt oder bekommst Räumungstitel
Klagen, Räumungstitel, einstweilige Verfügungen, alles mit gerichtlicher Frist
gehört in Anwaltshand. Hier sind die Konsequenzen bei Untätigkeit existenziell
(Vollstreckung, Wohnungsverlust).
4.5 Du brauchst jemanden, der für dich verhandelt
Wenn ein Gläubiger Vergleichsverhandlungen führen will oder du komplexe Konditionen
aushandeln musst, das ist aktive Vertretung und damit Rechtsdienstleistung.
FinoraQ darf das nicht. Anerkannte Stellen tun das im Rahmen ihrer Beratung; Anwält:innen tun es immer.
5. FinoraQ vs. anerkannte Beratung vs. Anwalt
Was?
FinoraQ
Anerk. Beratungsstelle
Anwaltskanzlei
Sofort verfügbar, ohne Termin
ja
4–8 Mon. Wartezeit
1–3 Wochen Wartezeit
24/7 nutzbar (Abend, Wochenende, Feiertag)
ja
nein
nein
Mobil vom Smartphone aus arbeiten
ja
nein
nein
Mahnungen per Foto digitalisieren (KI-OCR)
ja, automatisch
manuell abtippen
manuell abtippen
Gläubiger, Betrag, Frist automatisch erkennen
ja
nein
nein
Strukturierte Forderungs-Übersicht mit Filter
ja
papierbasiert
papierbasiert
Frist- und Status-Tracking mit Erinnerungen
ja, automatisch
nein
nein
Pfändungs-Check § 850c ZPO (Cent-genau)
ja, sofort
nur im Termin
nur im Termin
P-Konto-Rechner §§ 899, 902 ZPO
ja
nur im Termin
nur im Termin
Verzugszinsen § 288 BGB (Live-Basiszinssatz)
ja
nein
ja
Inkasso-Kosten-Check § 4 RDGEG / VV RVG 2300
ja, automatisch
nur im Termin
ja
Verjährungs-Rechner §§ 195, 199 BGB
ja
ja
ja
Budget-/Ratenanalyse mit Pfändungsfreibetrag
ja
ja
selten
Textbausteine für Stundung / Ratenzahlung / Vergleich
ja
ja
ja
Vorlagen für Verjährungs-Einrede & Widerspruch
ja
ja
ja
Brief-Direktversand mit eigener Absender-Adresse
ja (Premium)
nein
ja
Sammel-Ratenplan über alle Gläubiger automatisch
ja
ja
manuell
Beratungs-Pack als ZIP für den Termin
ja (Premium)
nein
nein
Sharing-Links für deine Beratungsstelle (PIN-geschützt)
ja (Premium)
nein
nein
Verzeichnis anerkannter Beratungsstellen mit PLZ-Suche
ja
nein
nein
Daten ausschließlich in Deutschland verarbeitet
ja
ja
ja
Keine menschliche Einsicht in deine Briefe
ja
nein
nein
DSGVO-Daten-Export mit einem Klick
ja
nein
nein
Konto-Löschung sofort (Art. 17 DSGVO)
ja, ein Klick
schriftlich
schriftlich
Rechtliche Einzelfall-Bewertung
nein
ja
ja
§ 305 InsO-Bescheinigung
nein
ja
ja
Verhandlung mit Gläubigern für dich
nein
ja
ja
Vertretung vor Gericht
nein
nein
ja
Kosten
Free / 11,99–23,99 €/Mo (Launch)
kostenfrei
500–4.000 € im Insolvenzfall
Die ehrliche Antwort: FinoraQ deckt den überwiegenden Teil der praktischen
Schuldenbearbeitung selbst ab. In den drei verbliebenen Bereichen (Einzelfall-Bewertung,
§ 305 InsO-Bescheinigung, Verhandlung) ergänzt sich FinoraQ ideal mit einer anerkannten
Beratungsstelle, du gehst dort mit komplett vorbereiteten Unterlagen hin und sparst Stunden
im Termin.
6. Was bei Fristversäumnis konkret passiert
Mahnbescheid ignoriert
Nach 14 Tagen ohne Widerspruch wird ein Vollstreckungsbescheid erlassen
(§ 699 ZPO). Aus dem Vollstreckungsbescheid kann ab Rechtskraft 30 Jahre
lang vollstreckt werden, Lohnpfändung, Kontopfändung, Sachpfändung.
Vollstreckungsbescheid ignoriert
Einspruchsfrist 2 Wochen (§ 700 ZPO). Versäumt = rechtskräftiger Titel.
Wiedereinsetzung in den vorigen Stand nach
§ 233 ZPO
ist möglich, aber Hürden hoch.
Räumungsklage ignoriert
Versäumnisurteil binnen Tagen. Räumungsvollstreckung durch Gerichtsvollzieher
mit kurzfristiger Ankündigung. Sozialwohnungs-Ersatz oft nicht möglich.
Wenn du irgendwas Behördliches oder Gerichtliches im Briefkasten hast und nicht
sicher bist, was du tun sollst: nimm das Schreiben mit dem Datum mit, geh
zur nächsten Verbraucherzentrale oder rufe direkt eine Schuldnerberatungsstelle an.
Open Office Hours gibt es bei vielen Stellen für eilige Fälle.
7. Wohin gehst du?
FinoraQ enthält ein bundesweites Verzeichnis mit ~125 anerkannten Schuldnerberatungsstellen
(Stand Mai 2026). Im Konto findest du das unter Werkzeuge → Beratungsstellen vor Ort
, mit PLZ-Suche und direkter Telefon-/E-Mail-Verlinkung.