Werkzeug zur Selbsthilfe Stand Mai 2026 Berlin · FinoraQ
Ratgeber · Stand Mai 2026

Inkasso-Brief bekommen — was du jetzt tun solltest

Der erste Reflex ist Panik — aber bevor du irgendetwas zahlst oder unterschreibst, kommen 5 Prüfschritte. Mit denen sortierst du echte, berechtigte Forderungen von Fake-Briefen und überhöhten Kostenpositionen.

Was du auf dieser Seite findest

Schritt 1: Echtheit des Absenders prüfen

Bevor du irgendetwas zahlst: Ist der Brief überhaupt echt? Verbraucherzentralen warnen seit Jahren vor Fake-Briefen, die Logos und Namen echter Inkasso-Unternehmen verwenden.

Konkrete Prüfschritte: (a) Telefon-Vorwahl im Briefkopf vergleichen mit der offiziellen Vorwahl des Firmensitzes. (b) IBAN: ausländische IBAN (außerhalb DE/AT/CH) bei einem angeblich deutschen Inkasso ist ein Warnsignal. (c) Domain im Briefkopf direkt im Browser eingeben — nicht über Links/QR-Codes aus dem Brief. (d) Eintrag im offiziellen Rechtsdienstleistungsregister des BMJ prüfen.

Unser Inkasso-Wegweiser listet die größten 35 deutschen Inkasso-Unternehmen mit Echtheits-Merkmalen — Sitz, Telefon-Vorwahl, offizielle Domain.

Schritt 2: Hauptforderung — ist sie berechtigt?

Die Hauptforderung (also der ursprünglich geschuldete Betrag) muss begründet sein. Frage dich: (a) Habe ich diesen Vertrag tatsächlich abgeschlossen? (b) Wurde die Leistung erbracht? (c) Habe ich vielleicht schon bezahlt — Kontoauszug prüfen. (d) Ist die Forderung verjährt? (Regelverjährung 3 Jahre, § 195 BGB)

Wenn du Zweifel hast: Schriftlich beim Gläubiger Auskunft verlangen. Du hast das Recht zu erfahren, woher die Forderung stammt — Vertragsdatum, ursprüngliche Rechnung, Aufschlüsselung. Das Inkasso muss dir diese Information geben (§ 13a RDG).

FinoraQ liest beim Upload eines Briefes automatisch Hauptforderung, Zinsen und Inkassokosten aus — du siehst sofort, wie sich der Gesamtbetrag zusammensetzt.

Schritt 3: Inkassokosten — sind sie zulässig?

Inkasso-Unternehmen dürfen nicht beliebig viel verlangen. Die Obergrenze steht in § 4 RDGEG i.V.m. VV RVG Nr. 2300: maximal 1,3-fache Geschäftsgebühr aus der RVG-Tabelle, plus Auslagenpauschale (max. 20 €), plus 19 % Umsatzsteuer (sofern das Inkasso UStpflichtig ist).

Konkretes Beispiel: Bei einer Hauptforderung von 500 € sind das maximal etwa 91 € Inkassokosten. Bei 1.000 € maximal etwa 156 €. Wird mehr verlangt, kannst du den überschüssigen Teil schriftlich beanstanden.

Mit unserem Inkasso-Kosten-Check rechnest du selbst nach (kostenlos, ohne Login). Premium-Nutzer scannen alle eigenen Forderungen automatisch und sehen sofort, wo zu viel verlangt wird.

Schritt 4: Frist sortieren, nicht ignorieren

Auch wenn du der Forderung widersprechen willst: Reagiere innerhalb der Frist. Schweigen wird häufig als Anerkenntnis interpretiert, und beim gerichtlichen Mahnverfahren beginnt die Uhr unabhängig von deiner Position zu ticken.

Inkasso-Fristen sind in der Regel 7–14 Tage. Sehr kurze Fristen (z.B. "3 Tage") sind oft unangemessen kurz und juristisch angreifbar (§ 271 BGB) — aber das nützt dir wenig, wenn du die Frist einfach verstreichen lässt.

FinoraQ erkennt Fristen automatisch beim Upload und zeigt sie im Dashboard mit Countdown an. Drei Tage vor Ablauf bekommst du eine Erinnerung per E-Mail.

Schritt 5: Antwortbrief vorbereiten

Welcher Brief-Typ passt? Ratenzahlung, wenn du grundsätzlich zahlen willst aber nicht alles auf einmal. Stundung, wenn du kurz Luft brauchst. Widerspruch, wenn die Forderung falsch ist. Mahnkosten-Anfechtung, wenn die Inkassokosten überhöht sind. Verjährungs-Einrede, wenn die Regelverjährung von 3 Jahren überschritten ist.

FinoraQ bietet für jeden dieser Typen eine Brief-Vorlage mit der passenden rechtlichen Begründung — du füllst deine Daten ein, das Schreiben ist sofort fertig. Telefonisch nichts zusagen, alles schriftlich. Bei Versand per Post: Einschreiben mit Rückschein.

Wann zur Schuldnerberatung?

FinoraQ ist ein technisches Werkzeug — die menschliche Beratung ersetzt es nicht. Wende dich an eine anerkannte Schuldnerberatung (Caritas, Diakonie, AWO, Verbraucherzentrale), wenn: (a) deine Schulden insgesamt mehr als 6 Monats-Nettoeinkommen ausmachen, (b) bereits gepfändet wird, (c) ein Insolvenzverfahren ansteht, (d) du psychisch belastet bist, (e) du den Überblick verloren hast.

Diese Beratungen sind kostenfrei. Wartezeiten variieren regional zwischen 4 Wochen und 3 Monaten — die Vorbereitung kannst du mit unserer Beratungs-Mappe nutzen, damit der erste Termin maximal effizient ist.

Häufige Fragen

Schritt 1: Echtheit des Absenders prüfen?

Bevor du irgendetwas zahlst: Ist der Brief überhaupt echt?

Schritt 2: Hauptforderung — ist sie berechtigt?

Die Hauptforderung (also der ursprünglich geschuldete Betrag) muss begründet sein.

Schritt 3: Inkassokosten — sind sie zulässig?

Inkasso-Unternehmen dürfen nicht beliebig viel verlangen.

Schritt 4: Frist sortieren, nicht ignorieren?

Auch wenn du der Forderung widersprechen willst: Reagiere innerhalb der Frist .

Schritt 5: Antwortbrief vorbereiten?

Welcher Brief-Typ passt?